Uns- das Erinnerungswandbild

Erinnerung im heute verorten – Identität pflegen

Eine Kooperation mit der Stiftung Pflege

Das Erinnerungswandbild ist eine kontinuierliche Einladung zum Rückblick. Intensität, Perspektive und Teilhabe wird vom Bewohner selber bestimmt. Die individuelle Nutzung des Angebotes fördert kommunikative, visuelle und kognitive Kompetenzen, das Identitätsbewusstsein wird gestärkt.

Das Erinnerungswandbild kann dabei unterstützen, Barrieren der Sprachlosigkeit zu überwinden. Ein Small-Talk über einzelne Motive in dem Erinnerungsbild kann sich schnell zu einem intensiven Gespräch entwickeln. Selbst einrichtungsfremde Personen finden schnell eine Identifikationsebene und damit ein gemeinsames Gesprächsthema: ein Kindergartenkind beispielsweise zeigt aufgeregt auf das Schneewittchen und taucht dann gemeinsam mit einer älteren Dame in die Märchenwelt ein.

Inspiriert durch die Motive können die Bewohner, mit oder ohne Unterstützung, in ihre Vergangenheit versinken oder ihre Erinnerungen mit Anderen teilen. Im besten Fall können sie so neben einem höheren Identitätsbewusstsein auch Gemeinschaft erfahren.
Die Vielfältigkeit der kunstvoll ineinander verwobenen Darstellungen lässt keine Langeweile aufkommen – es gibt immer wieder etwas zu entdecken. Die Bewohner empfinden eine Wertschätzung, durch das für sie entworfene Kunstwerk: die letzten 50 Jahre sind es wert, hier gezeigt zu werden – und „du“ bist ein Teil davon! Pflegende können sich gezielt erarbeitete oder zufällig gewonnene Einsichten in die Biographien der Bewohner bei der täglichen Arbeit nutzen. Das Erinnerungswandbild motiviert zur Lebendigkeit: zum Hinschauen, zum Geschichten erzählen, zum Singen oder selber Malen, zum Rückblicken und sich mitteilen. Etwas „Schönes“ zu sehen ist der gewöhnliche Grund, ein Bild aufzuhängen. Mit dem Erinnerungswandbild kann vieles mehr erreicht werden:

Verbesserung der Betreuungsqualität durch eine Gesprächsunterstützung und ein kontinuierliches Angebot zur Biographiearbeit.

Stärkung der Zukunftsfähigkeit des Hauses durch strategische Positionierung eines generationsübergreifenden Projektes, um Kinder, Jugendliche, Erwachsene mit dem Thema Alter über das Wandbild der Erinnerung einzuladen, Treffen zu veranstalten und weitere interaktive Projekte auszulösen.

Höhere Mitarbeiterzufriedenheit bzw. Verbesserung des Personaleinsatzes durch Nutzung von Kunst als Aus- und Eindruck zur kommunikativen Förderung zwischen Pflege und zu Pflegenden. Weiterentwicklung der Fachkompetenz in Biographiearbeit und persönlicher Reflexion.

Das Original des Wandbild ist in der Wohnanlage Sophienhof für alle Bewohner gut zugänglich installiert. Im Rahmen einer Fachtagung wird die Arbeit mit dem Bild erläutert und weiterentwickelt. Replikationen des Wandbildes geben Bewohnern weiterer Einrichtungen der Altenpflege die Möglichkeit, das Bild zu nutzen. Gerda Graf, Geschäftsführerin des Sophienhofs, beschreibt es so : „Das Wandbild besticht durch den hohen Anteil der Kreativität auf verschiedenen Ebenen und unterschiedlichen Zugängen. Das Künstlerische mit pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen zu verbinden ist eine Basis, die dem Menschen hilft, seine „Lichtungen“ aus der Vergangenheit wahr zu nehmen. Die Innovation steckt somit auch im Kontext einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung: Künstler tauchen in die Welt des Alters ein, das Alter nimmt die Kunst als Medium für Erinnerung auf und Pflegende haben die Möglichkeit einer Verbindung zwischen Alter, Kunst und Generationen. So nehmen Kinder, Schulklassen bis hin zu Projektarbeiten im Rahmen einer Unterrichtseinheit „Zeitzeugen“ das Bild oder Ausschnitte des Bildes gemeinsam wahr und erleben über Geschichte einen Zugang im Miteinander der Generationen“.